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Jessy auf Sansibar (15.02. bis 22.04.2011)

 

28.03. Neues von der Insel

Hallo ihr Lieben, 

Jetzt bin ich schon fast eine Woche wieder auf Sansibar und das Leben geht seinen gewohnten Gang.

Letzten Donnerstag habe ich einige englische und irische Studenten kennengelernt und hab mit denen den Vormittag auf der internistischen Maennerstation verbracht. Dort liegen in erster Linie Infektionskrankheiten, Malaria, Nierenprobleme, Bluthochdruck und schlecht eingestellte Diabetes. Da die Menschen hier immer alles selber bezahlen muessen, nehmen viele Patienten, nachdem sie das Krankenhaus verlassen haben, keine Medikamente mehr ein.

Ich weiss nicht, ob ich das bereits erwaehnt habe, aber auf der Maternity war es so, dass die Patienten kurz vor der Geburt eine Liste der Dinge bekommen, die sie mitbringen muessen. (inkl. steriler Handschuhe, Unterlage und diverse Medikamente) Bringen sie dies nicht mit, werden sie nicht untersucht, bzw. bekommen keine Medikamente! Oftmals wurden auch die Hebammen und Aerzte bestochen, damit sie ueberhaupt behandelt werden ... Korruption ist hier sehr gross geschrieben! Jedes Auto, jeder Bus wird auf der Insel 2-3x von Polizisten angehalten und darf erst weiterfahren, wenn ein paar Scheine die Besitzer gewechselt haben.

Es gibt hier im Krankenhaus wohl auch eine Tuberkulose und Lepra-Station, die werde ich aber wohl nicht besuchen, ist mir zu unsicher ohne die entsprechenden Impfungen. Wobei auf der Internistischen auch einer mit TB lag, was leider erst zu spaet erkannt wurde. 

Am Freitag war ich zusammen mit einem Englaender in der Psychiatrie. Diese liegt etwas ausserhalb in einem kleineren Dorf, und besteht aus einem sehr grossen Gelaende mit grossem Garten und mit mehreren, einstoeckigen, lang gezogenen Haeusern, in denen die verschiedenen Abteilungen untergebracht sind. (Es sieht ein bisschen wie in Shutter Island aus – wer den Film kennt). Es gibt dort auch eine geschlossene Abteilung und Maenner und Frauen sind, wie auch im normalen Krankenhaus, getrennt voneinander untergebracht.

Es gibt alle Arten von Krankheitsbildern: Drogen, Schizophrenie, Depression, Demenz, aber auch Epilepsie und andere Hirnerkrankungen werden dort behandelt. Behandeln heisst in erster Linie: Medikamente zum Ruhigstellen!!! Es gibt 2x die Woche eine Ergotherapie, sonst keinerlei Behandlung. 2x die Woche ist Visite, wo die Patienten mit einem Arzt reden koennen, der dann die jeweilige Diagnose stellt und Medikamente verordnet – Gespraechstherapie oder aehnliches gibt es nicht. Nach 2-3 Wochen werden die Patienten wieder entlassen … kommen aber meist mehrmals im Jahr wieder.

Ich habe mich schon sehr an den Ablauf im hiesigen Krankenhaus gewoehnt, dass mir viele Dinge schon normal vorkommen, die fuer andere unvorstellbar sind. Ein Kollege hat mir eine witzige (OK, eigentlich entsetzliche) Geschichte aus dem OP erzaehlt: Waehrend einer OP am offenen Bauch ist von der Decke eine Kakerlake direkt in das OP-Gebiet gefallen … diese wurde kurzerhand vom Chirurgen rausgeschnippst, krabbelte auf dem Boden entlang und raus zur Tuer, dabei zog sie eine Blutspur hinter sich her. Das Team hat weitergemacht, als waere nix passiert! 

 

Das Wochenende habe ich mit meinen 2 Mitbewohnerinnen (Deutsche) in Paje an der Ostkueste verbracht, in einer sehr suessen Unterkunft mit Huetten aus Palmenblaettern, in denen auf dem Sand die Betten standen. Abends gab es leckeres BBQ am Strand, aufgrund der Low-Season waren wir dort nur zu viert. Es sind kaum noch Touristen auf der Insel und die meisten Hotels haben im April und Mai geschlossen.

Strand der Woche, diesmal: Paje an der Ostkueste

Teddys Place - tolle Unterkunft in Paje

 

Die Regenzeit laesst zum Glueck noch ein wenig auf sich warten … von mir aus kann sie Ende April kommen!  

Es ist schon seltsam, ohne die ganzen anderen deutschen Mediziner, dafuer lerne ich fast taeglich neue Englaender kennen, die derzeit im ganzen Krankenhaus unterwegs sind. (So kann ich ganz nebenbei wenigstens noch etwas mein Englisch verbessern)

Heute habe ich mich fuer ein Outreach-Projekt eingetragen. An unterschiedlichen Tagen fahren verschiedene Abteilungen mit ihren Teams in kleine Doerfer auf der Insel und machen dort Untersuchungen. Ich werde am 9. und 10. April mit der HNO und GYN in den Norden fahren. (Darf dafuer natuerlich auch wieder Geld bezahlen …) Ich denke, das wird recht spannend. 

Morgen fahre ich mit 3 Zahnmedizinern und meiner Mitbewohnerin zusammen nach Chumbe Island. Dies ist eine Insel mit einem Meeresbiologieprojekt und einer Oekolodge darauf. Meine Mitbewohnern arbeitet fuer dieses Projekt, daher kommen wir relativ guenstig auf die Insel, wo man wohl traumhaft schnorcheln kann.

Am Mittwoch starte ich dann mit meinem Einsatz in der HNO-Abteilung. 

Allzu viel Zeit bleibt mir auch gar nicht mehr und ich plane jetzt schon ein wenig die verbleibenden Wochen und Wochenenden.

Ich bin gespannt, ob in naechster Zeit noch andere Deutsche in das Haus ziehen, sonst bin ich in 2 Wochen dort alleine. 

 

So, ich hoffe es geht euch gut – lasst ruhig mal was von euch hoeren!!!  

Ganz liebe Gruesse, 
Jessy

kleiner Baum ganz in der Nähe unseres Hauses

Das Leben auf Sansibar ist schon hart ...

 

28.03. Jessy meint, dass ihre Speckrollen am Bauch seeeehr viel weniger geworden sind und sie plant heute Abend Pizza zu essen! *sfg*

Zitat: ... Ich glaube, wenn ich jetzt in einen Supermarkt gehen wuerde, koennte ich den ganzen Laden leerkaufen. Joghurt waere traumhaft!!! Aber ich trinke hier relativ viel Fruchtsmoothies und Milchshakes, die sind ein guter Ersatz. Zum Glueck gibt es in Stone Town auch ein Coffe Hous, wo es akzeptablen Kaffee und Cappucino gibt! :)
Es gibt hier helles Weissbrot, so in Kastenform. Das habe ich ein paar Tage lang morgens mit Nutella (sauteuer!!) gegessen, aber es ist einfach nur weich und wabbelig! (dafuer brauche in zurueck in Deutschland erstmal einige Wochen lang kein indisches Essen und kein Seafood! Was ich hier auch gar nicht gegessen habe, ist Fleisch (mit einer Ausnahme), ich koennte auch auf ein richtig gutes gegrilltes Nackensteak oder Schnitzel ...

Jessy war ja wieder mit dem Daladala unterwegs nach Paje und es war wieder sehr abenteuerlich, weil teilweise eine ganze Wohnungseinrichtung auf das Dach geladen und sie halb zerquetscht wurde, da sich noch soooo viele Leute reingedrängt haben!

Und sie konnte endlich mal wieder Wasser pumpen und Wäsche waschen, oder zumindest so tun, denn richtig sauber wird leider nichts. Ihre Mitbewohnerin ist seit gestern krank, Jessy wollte noch kurz an den Strand und dann versuchen, irgendwo Brühe für die Mitbewohnerin aufzutreiben.

 
 

01.04. News from the island

Hallo ihr Lieben, ich bin es mal wieder ...

Am Dienstag war ich mit 3 Zahnmedizinern auf Chumbe Island ... eine Insel nicht weit von Sansibar entfernt, mit einem grossen Naturschutzgebiet/Korallenriff und einer Oeko-Lodge. Eine Uebernachtung dort kostet 250 Dollar!!! Wir haben daher nur einen Tagestrip gemacht, den wir relativ guenstig bekommen haben, da meine Mitbewohnerin Anita fuer das Projekt arbeitet.

Die Insel ist sehr klein, ich glaube nur knapp 1 km lang und nur 250 m breit, hat aber ein traumhaftes Korallenriff, in dem wir fast 2 Stunden schnorcheln waren und neben zahlreichen Fischen, (ich habe Nemo gefunden!!) auch Schildkroeten sehen konnten! Im Anschluss gab es lecker Essen und wir konnten noch ein paar Stunden entspannen. Fuer die Zeit dort haben wir sogar ein Apartement bekommen, um zu duschen. Die Insel ist wirklich sehenswert und das ganze Geld fliesst in den Naturschutz. Wer also mal herkommen sollte, muss wenigstens fuer einen Tag dorthin fahren!!  

auf dem Weg zu Chumbe Island

Blick von der einen Seite Chumbe Islands auf die andere

Leuchtturm von Chumbe

 

Die letzten 3 Tage habe ich dann in der HNO-Abteilung im Krankenhaus verbracht. Am ersten Tag im OP habe ich Operationen wie Mandelentfernungen gesehen, die derzeit von einem Arzt aus China durchgefuehrt werden. Interessant war die Preisliste, die dort aushing. Eine Mandelentfernung kostet umgerechnet zwischen 75 und 150 Euro – je nachdem wie gesund der Patient ist. Darin sind dann alle Materialien und Medikamente enthalten. (Er muss also nichts selber kaufen und mitbringen) Allerdings werden die Narkosen mit den billigsten Medikamenten gemacht, die gerade fuer kleine Kinder sehr unangenehm sind. (Es kommt Gas ueber die Maske, dass sehr unangenehm riecht und man muss die Kinder regelrecht festhalten und die Maske aufdruecken, bis sie einschlafen)

Die letzten 2 Tage habe ich zusammen mit einer Englaenderin Hoertests/Audiogramme durchgefuehrt – sowas werde ich wohl auch bei dem Outreach-Projekt naechste Woche machen. Die HNO Abteilung ist in meinen Augen sehr gut ausgestattet und die ganzen Test super interessant. Ich kenne ja leider keine HNO Abteilung in Deutschland, habe daher keinen Vergleich und konnte hier eine Menge Neues lernen. Durch die Tests kann gut differenziert werden, ob die Schaedigung im aeusseren oder im Innenohr liegt und was die Ursache ist. Ich denke viel anders wird es in Deutschland nicht ablaufen.

Was gibt es sonst zu erzaehlen …

Ich habe mich mittlerweile, glaube ich, sehr an die Hakuna Matata Lebensweise hier angepasst (woertl. es gibt keine Probleme) und bin, glaube ich, schon gar nicht mehr in der Lage 8 Stunden am Stueck zu arbeiten.

Alles geht hier einfach viel langsamer, puenktlich ist man nie (ausser auf der Arbeit) und wenn jemand verspricht etwas morgen zu reparieren, kann man froh sein, wenn es in den naechsten 2 Wochen passiert. (Angeblich sollen wir demnaechst JEDEN Tag Wasser haben …)

Ich sehe die ganzen Probleme auch nicht mehr so wirklich, die Bettensaele kommen wir schon total normal vor und das ganze Hygienische wirkt nicht mehr so abschreckend!

Etwas was ich auf jeden Fall vermissen werde, sind die vielen frisch gespressten Saefte und Smoothies. Die bekommt man hier fuer 1-2 Euro und es schmeckt einfach tausendfach besser als in Deutschland. Gerade ist hier besonders Saison fuer Mango, Ananas, Banane, Passion und Wassermelone … Mmmmhhhhh

Dafuer freue ich mich aber wahnsinnig darauf, mal wieder Vollkornbrot, Kaese/Wurst und FLEISCH zu essen. Hier gibt es eigentlich nur Gemuese oder Seafood … das Fleisch ist meist ungeniessbar.

 

Vielleicht noch ein bisschen zum Thema Entwicklungshilfe. Wenn man die Situation hier sieht, denkt man am Anfang sehr viel darueber nach, wie man den Menschen helfen kann und es kommen einem Unmengen an Ideen, was es zu verbessern gibt. Aber eigentlich sind die Menschen hier gluecklich, ganz so wie es ist! Sie kennen es nicht anders und sie fuehlen sich wohl. Ich habe einiges ueber Projekte gelesen, die schief gelaufen sind, weil die meisten Organisationen nicht die Menschen vor Ort fragen, was sie wirklich benötigen, sondern einfach das machen, was sie glauben, was sie brauchen.

Beispiel: Es wurden einmal Kuehlschraenke mit Solarenergie hergestellt und hergebracht … eine tolle Idee, nur niemand konnte sie reparieren, als sie kaputt gegangen sind. Und in einem Dorf ohne fliessend Wasser, mussten die Frauen meist 1,5 Stunden zum Brunnen laufen, um Wasser zu holen … also wurde ein Brunnen direkt im Dorf gebaut, was zur Folge hatte, dass die Frauen den Tag ueber nicht mehr unterwegs waren und die Vergewaltigungsrate in die Hoehe geschossen ist!!!

Das einzige Problem was ich hier wirklich sehe, ist, dass die ganzen Krankenhausgebuehren von den Patienten selber getragen werden muessen und daher viele keinen Arzt aufsuchen koennen. Auch die Schule kostet sehr viel Geld, so dass die meisten Kinder sich keinen Schulbesuch leisten koennen. Hier muesste man eigentlich anfangen, denn nur durch vernuenftige Bildung wird sich laengerfristig in solchen Laendern etwas veraendern!

Wenn eine Frau hier ihr erstes oder auch zehntes Baby bekommt, interessiert es sie nicht, ob es lebt oder nicht … sie liegt teilnahmslos auf ihrer Liege, dass Baby ist sonstwo. Es ist normal, dass nicht jedes Baby ueberlebt und es ist nicht unbedingt ein Grund zur Freude, dass man nun (noch) ein Kind hat, dass man durchfuettern muss. Die Einstellungen sind hier einfach komplett verschieden. 

So, dass reicht fuer heute … es sind 2 neue Maedels angekommen, die hier im Kindergarten arbeiten werden und wir wollen heute Abend kochen. Dafuer werde ich jetzt fix einkaufen gehen und morgens geht es mal wieder nach Kendwa – wo ich mein erstes Wochenende verbracht habe.

Liebe Gruesse!!!
Jessy

hier nochmal unser Strand Bweni, 30 Min. vom Haus entfernt

anderer Strand, andere Hängematte, gleiche Person :-)

 

ich krieg einfach nicht genug von den Sonnenuntergängen hier... sorry

Alkohol in Tütchen für je 25 Cent

wenn Regen, dann richtig

 
 

05.04. Hab mal wieder mit Jessy geskypt, momentan ist Shoppen angesagt. Es gibt dort tolle kleine Tücher in allen möglichen Farben für 1-1,50, größere Strandtücher (Kangas) für 4,00, kleine Taschen für 5,00 und Flipflops aus Leder und mit Perlen bestickt für nur 7,00 Euro. Außerdem lässt sie sich aus einem Kanga ein Kleid für 6,00 Euro schneidern.

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