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Jessy auf Sansibar (15.02. bis 22.04.2011)

 

03.03. schoenes Wochenende

Hallo ihr alle!

Bevor ich nun morgen Nachmittag ins wohlverdiente Wochenende in ein Hotel nach Matemwe starte, noch ein kleines Update von mir:

Die Geburtsstation, auf der ich zur Zeit arbeite, ist wahnsinnig interessant. Es gibt im Schnitt pro Tag 50-70 Geburten und etwa 10 Kaiserschnitte.  Im Vorbereitungsraum liegen etwa 25 Frauen verteilt auf 15 Betten und werden in voellig unregelmaessigen Abstaenden untersucht. Der eigentliche Kreissaal besteht aus 3 Metallliegen. Viele der Frauen kriegen ihre Kinder jedoch ploetzlich schon im Vorbereitungsraum oder muessen auf dem Boden entbinden, da alles andere belegt ist.

Leider gibt es auch relativ viele Totgeburten oder Fruehchen, die bei den dortigen Bedingungen keine Ueberlebenschance haben. Es gibt weder EKG, noch Sauerstoff oder sonstwas. Wenn ein Kind nicht atmet, wird nur ein paar mal auf den Ruecken geklopft, evtl. mal abgesaugt, aber nicht beatmet oder reanimiert. Auch einige Muetter versterben nach der Geburt oder infolge von Komplikationen bei einem Kaiserschnitt.

 

Zur Freizeit:

Am Dienstag Nachmittag sind wir in den Jozani Forest gefahren und haben uns den dortigen Regenwald, sowie zahlreiche Affen angesehen, die wohl nur hier auf der Insel leben.

Mangrovenbucht

Heute waren wir den ganzen Tag auf der "Safari Blue".

 

Sind mit einem Boot zu einer Sandbank raus gefahren, haben Delphine beobachtet, sind viel geschnorchelt, spaeter gab es sehr leckeres Essen auf einer vorgelagerten kleinen Insel und zurueck wurde gesegelt ...

 

ein seeeehr toller und entspannter Tagesausflug! :)

 

Morgen Nachmittag geht es dann, wie gesagt erneut an die Ostkueste nach Matemwe. Ich muss das schoene Wetter noch ausnutzen. Zum einen sind die meisten Studenten in 2 Wochen weg (ob neue kommen weiss ich nicht), zum anderen werden mir hier viele Horrorgeschichten ueber die Regenzeit erzaehlt, die wohl Ende Maerz beginnen soll. Ich bin gespannt! :)

Ich hoffe euch allen geht es gut!

Liebe Gruesse,
Jessy

05.03. Nachtrag: Jessy ist nun doch nicht in Matemwe, da das Hotel die Buchungen ignoriert hat und sie alle ohne Zimmer dastanden. Sie sind dann mit dem Taxi weiter nach Nungwi gefahren und alle sind von dem Strand begeistert! Mittlerweile hat Jessy schon die wichtigsten Urlaubsorte auf der Insel gesehen und Nungwi ist definitiv ihr Favorit. Auf dem Weg dorthin hat es total geschüttet und alles war in sehr kurzer Zeit überschwemmt.

Zitat: ... Da weiss ich ja nun schon, was mich in der Regenzeit erwartet ...

 

08.03. ich mal wieder ...

Hallo ihr Alle,

ich hoffe, ihr hattet einen guten Start in die neue Woche.

Mein Wochenende war wieder einmal super schoen.

Wir waren allerdings nicht wie geplant in Matemwe. Als wir dort naemlich, nach einer anstrengenden Fahrt im Daladala durch Starkregen angekommen sind, wusste niemand etwas von unserer Reservierung und die Bungalows waren ausgebucht.

Kurzerhand sind wir weiter nach Nungwi (oben an der Nordküste) gefahren und haben dort 2 sehr entspannte Tage am Strand verbracht.

 

 

Um euch aber nicht immer nur von Straenden vorzuschwaermen, erzaehle ich mal ein bisschen was aus Stone Town:

Es ist schwer, sich das hier vorzustellen, wenn man es nicht mit eigenen Augen sieht, selbst Fotos spiegeln die Wirklichkeit nicht wieder. Es gibt nirgends auf der Insel Muelleimer, und insbesondere in Stone Town, der einzigen richtigen Stadt, liegt alles auf den Strassen rum und wird in unregelmaessigen Abstaenden verbrannt.

In Stone Town befindet sich auch die einzige Ampel auf der gesamten Insel, die in den meisten Faellen jedoch kaputt ist.
Ausserhalb von Stone Town, oder Sansibartown, wie der groessere Stadtbezirk heisst, leben die Menschen in verwahrlosten Steinhuetten oder sogar in Manyattas (kleine Huetten aus Stroh).
Die kleinen Gassen und vor allem der Markt sind voll mit Leuten, alle wollen einem etwas verkaufen.

Die Gassen, die teilweise nur 1m breit sind, teilt man sich dann noch mit zig Fahrradfahrer, die nervig klingeln und diversen Mopeds, die laut hupend an einem vorbeifahren und auch nicht drauf achten, wer oder was ihnen im Weg steht. Fussgaengerzonen gibt es hier nicht.

Gestern war ich mehr oder wenig erfolgreich in den kleinen Gassen shoppen. Das Ganze gestaltet sich schon als sehr anstrengend, da man jedesmal handeln muss. Im Schnitt bezahlt man nur die Haelfte des zuerst genannten Preises. So ein Verkaufsgespraech zieht sich dann schon mal 20 Min. hin, man muss mehrmals androhen, den Laden zu verlassen, dann wird der Chef angerufen usw.. Ich bin schon sehr froh, dass ich in Deutschland so was nicht bei H&M jedesmal durchmachen muss.

Sansibar ist nicht umsonst die Gewürzinsel

für alle die es nicht wussten ... Freddy Mercury wurde auf Sansibar geboren

typisches Touristenlokal

Die Restaurants, in denen wir meist essen, sind sehr touristisch und dementsprechend ganz gut eingerichtet, nur auf normale Toiletten wird hier haeufig verzichtet.
Im Krankenhaus bin ich diese Woche noch weiterhin auf der Geburtenstation.

Ist nach wie vor sehr spannend und aufregend, so ganz traue ich mir aber noch nicht zu, die kleinen Wuermer selbst auf die Welt zu bringen.

Aber ich nehme die Babys immer der Hebamme ab und mache die Erstversorgung!

Frühchenstation

Das Wasserproblem ist nach wie vor vorhanden und ich denke, es wird sich auch nicht so bald was daran aendern ... wir duschen halt immer sofort, wenn mal Wasser da ist. In den letzten Naechten gab es auch vermehrt Stromausfaelle fuer ein paar Stunden. Das klingt zwar recht undramatisch, es ist jedoch absolut schrecklich, wenn der Deckenventilator mitten in der Nacht ausgeht und man schweissgebadet wach wird. Vielleicht sollten wir statt unseren billigen Bungalows die naechsten Wochenenden mal ins Hilton einchecken. (200 Dollar die Nacht pro Person!!!)

Fotos hochladen gestaltet sich in den letzten Tagen als schwierig. Die Verbindung ist in saemtlichen Internetcafes unglaublich langsam und bricht staendig zusammen ...

Liebe Gruesse,
Jessy

09.03. Ich hatte mit Jessy heute per Skype Kontakt und auf einige Fragen, die ich per Mail gestellt hatte, auch Antwort erhalten. Wegen dem Wasser: Es gibt dort einen 500 Liter Tank und dieser wird angeblich zu schnell verbraucht, allerdings geht die Wasserpumpe auch nur alle 4-5 Tage. Aber Jessy hat sich inzwischen daran gewöhnt.

Die Toiletten in diversen Restaurants bestehen nur aus einem Loch im Boden und Klopapier gibt es nur sehr selten.

Die Babys werden von den Hebammen nur in die Waage gelegt. Jessy wickelt die Babys dann in Kangas (große Tücher) und schaut, ob soweit alles OK ist. Heute hatte sie mit 2 anderen Studenten 2 Babys beatmet und abgesaugt, da sie nicht von allein geatmet hatten. (Die Hebammen hätten nichts gemacht, sondern nur abgewartet, also es ist normal, dass nicht alle Babys überleben) Die Mütter bleiben 1-2 Tage, können aber auch direkt nach Hause gehen. Die Dammschnitte werden ohne Betäubung mit einer stumpfen Schere gemacht, das Nähen ebenfalls ohne Betäubung.

14.03. Jessy leidet seit dem 10.03. unter Erbrechen/Durchfall/Fieber/Appetitlosigkeit. Ein Malariatest war negativ, eigentlich wollte sie (wenn's nicht besser würde) ins Medical-Center gehen, aber lt. Jessy geht es ihr heute besser, allerdings hat sie keinen Appetit und immer noch ein wenig erhöhte Temperatur (um die 37,9).

 

15.03. Hallo ihr Lieben,

leider habe ich das vergangene Wochenende nicht am Strand von Nungwi verbracht, da mich seit Donnerstag irgendein fieser Magen-Darm-Keim befallen hat. Kam alles ganz ploetzlich mit schnell ansteigenden Fieber, so dass meine Medizinerkollegen am Abend noch mit Infusionen und Malariaschnelltest ankamen. (Im Nachhinein ein echt witziges Bild)

Der Test war negativ, die Infusionen brauchte ich nicht (Cola hilft ja auch) aber die Symptome blieben leider. Da es heute nun der sechste Tag ist, an dem ich kaum etwas gegessen habe, bzw. das meiste wieder rauskam ... (uebrigens ein Traum bei 36° und ohne fliessend Wasser ...) war ich heute Vormittag in einem Medical Center.

Der Arzt schien sehr kompetent und hat sofort einen weiteren Malariatest (diesmal mit Mikroskop und allem) angeordnet, da mein immer wiederkehrendes Fieber am Abend sehr symptomatisch sei ... aber: NEGATIV.
Da ich mich ja nun aber schon ne Weile rumquaele, soll ich jetzt 5 Tage Antibiotikum nehmen, er vermutete eine Salmonelleninfektion oder aehnliches, hat aber keine weiteren Blutuntersuchungen gemacht. Ich hoffe, das zeigt nun schnell Wirkung!
Am Donnerstag will ich naemlich aufs Festland, zusammen mit Matthias, einem Medizinstudenten aus Bayern. Laut Plan wollen wir Donnerstag mit der Faehre nach Dar es salaam, am Freitag um 5 Uhr morgens mit dem Bus nach Mloka und in den dortigen Selous National Park. Dort stehen dann diverse Safaris (zu Fuss, mit dem Boot, mit dem Auto) an und am Montag frueh geht es zurueck nach DAR. (Busfahrt jeweils 8 Stunden). Ich hoffe daher, meine Infektion macht mir keinen Strich durch die Rechnung .

Zu der Arbeit im Krankenhaus: Es ist wirklich traurig zu sehen, wieviel Babys sterben. Die Hebammen haben keine Zeit, sich nach der Geburt ums Kind zu kuemmern, da sie zuerst die Mutter versorgen muessen. Das Kind liegt also auf der Waage und wenn es nicht schreit, hat es Pech gehabt. Ich habe einen Wurm dann da schon blitzeblau liegen sehen und zusammen mit den Medizinern beatmet und abgesaugt. Waehrend den Beatmungen war der Puls kraeftig, sobald wir aufgehoert haben, wurde der Puls langsamer und der Kleine hat nicht von alleine geschnauft. Da es aber keinerlei Geraete gibt und die Hebamme nach 40 Min. schon sehr genervt von unseren Aktionen war, haben wir schliesslich aufgehoert. in Deutschland haette der Kleine sicher viel bessere Chancen gehabt. Es gibt hier weder ein EKG noch Beatmungsgeraet oder Sauerstoff!!!

So, ich denke dass reicht erstmal ...
ich melde mich naechste Woche und kann hoffentlich von einer tollen Safari berichten! :)

 

17.03. Kurz mit Jessy geskypt. Es geht ihr immer noch nicht so richtig gut, sie fühlt sich matt und alles was sie isst, kommt wieder raus! Fieber ist wohl fast weg, aber Abends immer noch ein bisschen erhöhte Temperatur. Sie hat sicher schon ganz viel abgenommen! Die Safari will sie aber mitmachen!!! 

Heute gegen 15.30 Uhr geht's mit der Fähre aufs Festland, dann wird dort übernachtet und morgen früh um 4.30 Uhr weiter mit dem Bus nach Mloka. Sollte es ihr während der Zeit dann wieder schlechter gehen, hat sie mir versprochen, zum Doc zu gehen und sich evtl. nach Sansibar zurückfliegen zu lassen. (hab ihr auch gesagt, dass sie einmal täglich eine SMS senden soll) Außerdem ist sie am Überlegen, früher nach Deutschland zurückzukehren, wenn die Magen-Darm-Geschichte weiterhin anhält.

18.03. SMS von Jessy: sie sind gut in Mloka angekommen, es geht ihr wohl besser (ob das stimmt?!?) sie hat schlechten Empfang und will sich am Montag aus Dar es salaam melden.

19.03. kurzer Anruf, es geht ihr besser!!!!

21.03. sonniger Frühlingsanfang in Hannover! Kurze Meldung per SMS. Jessy sitzt im Bus nach Dar es salaam und meldet sich morgen von Sansibar

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